News

Durchführbarkeit von Rehasport (Lungensport) zu Pandemiezeiten

Training, z. B. in ambulanten Lungensportgruppen, verbessert die Belastbarkeit von chronisch Lungenerkrankten. Diese Therapieoption hilft den Betroffenen, trotz eingeschränkter Lungenfunktion, den Alltag leichter zu bewältigen und Lebensqualität zu gewinnen. Lungensport ist eine medizinisch notwendige Leistung. Die im Rehasport geforderte Fläche von 5qm/Teilnehmer übertrifft den geforderten Mindestabstand von 1,50m weit. Im Rahmen des Rehabilitationssports ist die Nachverfolgbarkeit von möglichen Infektionen „systembedingt" zu 100% gegeben. Die AG Lungensport fordert, dass Lungensport unter Beachtung entsprechender Schutz- und Hygienekonzepte unter fachlicher Leitung stattfinden kann.

Bei der Frage der Durchführung von Rehasport (Lungensport) zu Pandemiezeiten muss abgewogen werden zwischen dem Risiko einer Infektion und den Risiken, die eine Unterbrechung des Rehasports mit sich bringt. Beide Risiken betreffen dasselbe Schutzgut, nämlich die Gesundheit. Einerseits birgt Rehasport in Gruppen die Gefahr einer Infektion, andererseits gefährdet die Untersagung das angestrebte Ziel des Rehasports, nämlich die gesundheitliche Rehabilitation. Von zentraler Bedeutung ist das Erlebnis des gemeinsamen Sporttreibens trotz krankheitsbedingter Leistungslimitierung.

Auch beim Rehasport hat die Gesundheit höchste Priorität. Kürzlich wurde eine Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V. zu Hygienemaßnahmen bei der Behandlung von Patienten mit Lungenerkrankungen in der ambulanten Physiotherapie und dem Lungensport zu Pandemiezeiten publiziert (Hellmuth T et al. Pneumologie 2021; 75: 57-59). Die Umsetzung der beschriebenen Sicherheits- und Hygienestandards ist praktikabel und problemlos möglich. So ist beispielsweise durch die im Rehasport geforderten 5qm pro Teilnehmer immer ein Abstand von 2,50m gegeben. Der übliche Mindestabstand von 1,50 ist somit weit übertroffen. Weitere Maßnahmen umfassen die Erklärung der Sicherheits- und Hygienemaßnahmen durch Gruppenleiter, die Desinfektion verwendeter Materialien (auch Hocker) vor und nach jeder Übungsstunde, die Lüftung des Übungsraumes, die Kontrolle des Zugangs und die Bereitstellung von medizinischen Masken, Desinfektionsmitteln und Einmalhandtüchern. Auf die Nutzung von Umkleidekabinen und Gemeinschaftsräumen kann verzichtet werden.

Rehabilitationssport verlangt ausdrücklich nicht die Durchführung von maximaler körperlicher Leistung an Trainingsgeräten (wie in einem Fitnessstudio) und vermeidet dadurch hohe Atemluftströmungen bzw. vermehrte Aerosolbildung. Beim Training wird die Maske durchgehend getragen, und die Räumlichkeiten werden regelmäßig gelüftet. Jedem Teilnehmer wird ein fester Platz zugewiesen – beispielsweise im Sitzen auf dem Hocker. Zu Pandemiezeiten finden keine Partnerübungen statt. Von Bedeutung ist vielmehr das Erlebnis des gemeinsamen - also ort- /und zeitgleichen – Trainierens.

Der Rehabilitationssport in Gruppen findet unter Leitung eines zertifizierten Übungsleiters statt. Dieser Übungsleiter verfügt über (Fach-) Kenntnisse in Biologie und Medizin. Außerdem wird die Rehasportgruppe bei Bedarf von einem Arzt beraten. Diese Beratung umfasst auch die erforderlichen Hygienebestimmungen. Erfahrungsgemäß haben die Aussagen von Ärzten besonderes Gewicht und bieten deshalb eine besondere Gewähr dafür, dass Hygieneschutzbestimmungen eingehalten werden. Die Einhaltung eines Schutz- und Hygienekonzeptes kann also – anders als bei Individualtraining in Fitnessstudios von einer medizinisch fachkundigen Person kontrolliert werden.

Das Ministerium argumentiert, dass der Rehabilitationssport gerade für Teilnehmer aus „vulnerablen Gruppen“ untersagt werden muss. Diese Aussage konterkariert aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse. In Norwegen wurden zunächst wie in anderen europäischen Ländern im Rahmen der Lockdown-Maßnahmen die Fitness-Studios geschlossen. Das norwegische Gesundheitsministerium hat daraufhin wissenschaftlich prüfen lassen, ob die Studios unter bestimmten Bedingungen wieder öffnen können. Die TRAiN-Studie („Rapid-Cycle Re-Implementation of Training Facilities in Norway“) der Oslo Universität ist eine randomisierte Studie zum Infektionsrisiko in Fitnessstudios. Das Virus zirkulierte während der Studienzeit in der Stadt. Doch die Fitness-Studios hat es unter den Sicherheitsstandards, die beim Rehasport deutlich höher sind, nicht erreicht (https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/114193/SARS-CoV-2-Wie-sich-Infektionen-im-Fitnessstudio-(vielleicht)-vermeiden-lassen).

Natürlich gibt es kein NULL-Risiko für eine CORONA-Infektion, doch muss das minimale Risiko in der „vulnerablen Gruppe“ der Lungenkranken unter den oben skizzierten Voraussetzungen in Beziehung gesetzt werden zum Risiko durch Unterbrechung des evidenzbasiert wirksamen Lungensports, das ungleich höher ist.

Weiter ist zu berücksichtigen, dass der ärztlich verordnete Rehabilitationssport in Gruppen schon ausweislich der gesetzlichen Leistungsbeschreibung in § 64 Abs. 1 Nr. 3 SGB IX „unter ärztlicher Betreuung und Überwachung“ steht und es deshalb nicht nur möglich, sondern gesetzlich vorgeschrieben ist, dass der betreuende und überwachende Arzt diejenigen Teilnehmer, bei denen ausnahmsweise derzeit der Besuch der Rehasportgruppe aus infektionsschutzgründen medizinisch nicht vertretbar ist, von der Teilnahme ausschließt.

Besonders schwer trifft die Entscheidung, Lungensport in ordentlicher Form zu untersagen, die Patienten mit Post-COVID-Syndrom. Gerade für diese Patienten ist Reha-Sport von besonderer Bedeutung. Dass die Betroffenen Rehasport nicht durchführen dürfen (ungeachtet der Tatsache, dass sie ja immun sind…), erscheint nicht plausibel.

Ein kleiner, aber relevanter Punkt ist, dass im Rahmen des Rehabilitationssports die Nachverfolgbarkeit von möglichen Infektionen „systembedingt" zu 100% gegeben ist.

Wir appellieren deshalb an die zuständigen Behörden, die Untersagung der Teilnahme am Reha-/Lungensport in kleinen Gruppen unter strikter Beachtung des oben genannten Schutzkonzeptes und der Hygienestandards aufzuheben, da diese Maßnahme in keinem angemessenen Verhältnis zum Ziel der Infektionsverhinderung bzw. Virusverbreitung durch Kontaktvermeidung steht, die Rehabilitation der Betroffenen sonst aber immer mehr gefährdet ist.

Bad Lippspringe den 8.3.2021

Der Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Lungensport in Deutschland e.V.

Pflegereform 2021: einmal Rolle rückwärts

Die für das Jahr 2021 angekündigte Pflegereform geht in die nächste Runde. Nach dem im Oktober 2020 verabschiedeten Eckpunktepapier liegt nun ein inoffizieller Arbeitsentwurf für ein Pflegereformgesetz vor, der zahlreiche Leistungsveränderungen in der Pflege vorsieht. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) begrüßt die geplante Einführung eines Steuerzuschusses aus Bundesmitteln und die Einführung einer regelhaften Leistungsdynamisierung. Den neuen Vorschlag zur Reduzierung der Eigenanteile in der vollstationären Pflege hält der vzbv aber für inkonsequent und völlig unzureichend.

„Zu den Eigenanteilen in der Pflege kommen als weitere Belastungen noch die Kosten für Unterkunft, Verpflegung und Investitionen des Heimes. Die Gesamtkosten für den einzelnen Heimbewohner belaufen sich auf bundesweit über 2.000 Euro monatlich. Bei einer Durchschnittsrente von 1.500 Euro ist das nicht finanzierbar“, so Klaus Müller, Vorstand des vzbv. „Das ist eine herbe Enttäuschung für jeden Heimbewohner in Deutschland und definitiv als Rolle rückwärts zu werten.“
Keine Deckelung der Pflegeheimkosten

Vergangenes Jahr kündigte das Bundesgesundheitsministerium (BMG) an, den Eigenanteil für Pflegebedürftige an den Pflegekosten im Heim für die ersten drei Jahre auf 700 Euro monatlich zu begrenzen und im Anschluss ganz entfallen zu lassen.

Jetzt plant das BMG für Betroffene künftig erst ab dem zweiten Jahr im Heim einen finanziellen Zuschuss in Höhe von 25 Prozent, der sich im dritten Jahr auf 50 und im vierten Jahr auf 75 Prozent erhöhen soll. Die durchschnittliche Verweildauer in deutschen Pflegeheimen beträgt jedoch lediglich 18 Monate, was bedeutet, dass Pflegebedürftige somit im ersten Jahr weiterhin keine finanziellen Entlastungen erfahren. Sie müssen den pflegebedingten Eigenanteil von bundesweit inzwischen deutlich über 800 Euro – mit weiter steigender Tendenz – alleine zahlen.

Die Investitionskosten zukünftig von den Bundesländern bundeseinheitlich mit 100 Euro pro Heimbewohner zu bezuschussen, bietet keine spürbare Entlastung für Verbraucherinnen und Verbraucher. Derzeit reichen die Investitionskosten von knapp 300 Euro in Sachsen-Anhalt bis rund 550 Euro in NRW. Im Bundesdurchschnitt belaufen sie sich auf knapp 500 Euro. Ein pauschaler Zuschuss unabhängig von den regionalen Gegebenheiten und ohne entsprechende jährliche Dynamisierung deckt keinesfalls die Pflegekosten.
Massive Einschränkungen in der Tages- und verhinderungspflege geplant

Auch in der häuslichen Pflege kommt es zu erheblichen Belastungen der Betroffenen. Zu den finanziellen kommen bereits heute zeitliche und emotionale Belastungen der pflegenden Angehörigen dazu. Rund drei Viertel der Pflegebedürftigen versorgen Verbraucher derzeit zu Hause; die meisten allein durch pflegende Angehörige. Hier sind mehr Unterstützungsangebote nötig, doch genau das scheint der vorliegende Entwurf zu verhindern. Bei gleichzeitiger Inanspruchnahme von Pflegesachleistungen und Leistungen der Tagespflege soll der Anspruch auf Tagespflege zukünftig auf 50 Prozent begrenzt werden. Gleiches gilt, wenn Pflegesachleistungen und Pflegegeld kombiniert werden, wobei die Pflegesachleistungen mindestens zu 50 Prozent in Anspruch genommen werden müssen. Diese Anrechnungsregelung gab es früher auch schon, wurde aber bewusst durch das Erste Pflegestärkungsgesetz aufgehoben.

Auch in der Verhinderungspflege sind Einschränkungen vorgesehen. Pflegebedürftige sollen nur noch 40 Prozent des Budgets für die Verhinderungspflege in Anspruch nehmen können, wenn pflegende Angehörige nicht tages-, sondern nur stundenweise eine Pflege durch eine Ersatzperson sicherstellen müssen. Das ist etwa bei einem Arztbesuch oder anderen wichtigen Terminen der Fall. Für viele Pflegebedürftige und pflegende Angehörige bedeutet das, dass sie sich eine häusliche Pflege organisatorisch wie finanziell nicht mehr leisten können und einen Umzug ins Heim erwägen müssen. Oft sind pflegende Angehörige gleichzeitig berufstätig und auf eine Tagespflegeinrichtung und stundenweise Inanspruchnahme der Verhinderungspflege angewiesen. Das ist der einzige Weg für sie die die häusliche Versorgung sicherzustellen und gleichzeitig berufstätig zu bleiben.

„Die genannten Budgetkürzungen sind nicht nur ein herber Rückschlag für Pflegebedürftige wie pflegende Angehörige. Sie sind auch gesellschaftspolitisch ein Rückschlag, wenn pflegende Angehörige ihre Arbeitszeit reduzieren oder ihre Berufstätigkeit ganz aufgeben müssen, weil eine Vereinbarkeit von Beruf und Pflege nicht mehr machbar ist. Dass sich Pflegebedürftige zudem die zusätzlichen Kosten für die Tagespflege nicht leisten können, ist ein Skandal“, so Müller.

Der vzbv fordert, die vorgenannten Budgetkürzungen in der ambulanten Pflege umgehend aus dem Entwurf zu streichen und endlich für substanzielle finanzielle Entlastungen der Pflegeheimbewohner zu sorgen.

Dies ist auch eine der Kernforderungen des vzbv im Rahmen seiner Bundestagswahlkampagne, zu der Sie hier mehr Informationen finden: https://www.vzbv.de/themen/bundestagswahl-2021

Die Bedeutung von Gefühlen, Sex und Partnerschaft nach Schlaganfall

Sexualität spielt, so könnte man meinen, nach einem Schlaganfall keine große Rolle (mehr). Doch ist bei vielen Betroffenen sogar das Gegenteil der Fall. „Entsprechende Statements von Menschen nach einem Schlaganfall zeigen, dass ihre Bedürfnisse in Bezug auf Partnerschaft und Miteinander, Zärtlichkeiten und das Sexualleben sogar einen größeren Stellenwert einnehmen als vor dem Schlaganfall“, betont Lisa Spreitzer. Die Ergotherapeutin im DVE (Deutscher Verband Ergotherapie e.V.) hat sich auf ‚Sexualität bei Menschen nach einem Schlaganfall‘ spezialisiert. Bei ihrer Arbeit hat sie viele überraschende Erkenntnisse zu diesem Thema gewonnen.

Erleidet ein Mensch in Deutschland einen Schlaganfall, steht direkt ein Netzwerk aus verschiedenen medizinischen Disziplinen bereit, wozu unter anderem Ergotherapeuten gehören. Ihre Spezialität: Sich auf den Alltag der Betroffenen fokussieren, immer mit dem Blick auf das, was demjenigen in seinem Leben etwas bedeutet, was ihn antreibt, was zu seinem Lebensglück führt. Das ist bei jedem etwas anderes. Was jedoch bei allen Menschen gleichermaßen wichtig ist, ist das Bedürfnis nach Liebe, Geborgenheit, Zärtlichkeit und Sexualität.

Sexualität noch immer bei vielen ein Tabu Da bilden Menschen nach einem Schlaganfall keine Ausnahme, unabhängig vom Alter, denn von einem Schlaganfall sind häufig auch junge Menschen betroffen. Ein Schlaganfall kommt aus heiterem Himmel und verändert das Leben Betroffener radikal – nichts ist mehr wie zuvor, auch bei denen, die einen leichteren Schlaganfall erleiden. Ihr Alltag und damit alle Aktivitäten und ebenso die gesamte Gefühlsebene sind zunächst komplett ausgehebelt. Die Ergotherapeutin Lisa Spreizer ist die Autorin der Broschüre ‚Liebe, Lust und Leidenschaft‘, die die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe kostenlos abgibt. Für diese Arbeit hat sie unterschiedlich schwer von einem Schlaganfall Betroffene befragt, die bereit waren, sich zum Thema Sex und Liebe nach dem Schlaganfall offen zu äußern. „Dadurch, dass wir diese Informationen an die Öffentlichkeit bringen, fühlen sich auch andere Betroffene verstanden und wissen, dass ihre Wünsche und Vorstellungen etwas Natürliches und sie damit nicht alleine sind“, ist sich die Ergotherapeutin sicher. Die Antworten der Befragten zeigen, dass Sexualität seit dem Schlaganfall eine sehr große Bedeutung hat; für manche sogar eine größere als zuvor. Und welche Erleichterung sie erlebten, als sie – meist zunächst durch Selbstbefriedigung – feststellen durften: Lust und Erregung sind da, die Erektion kommt zustande, wenigstens das funktioniert noch. Auch hatten die Befragten den Wunsch, dass der Partner oder die Partnerin gerade in der für sie so schwierigen Zeit für sie da sein sollte. Und zwar nicht nur, um die Versorgung und das pflegerisch Notwendige sicherzustellen. Vielmehr wollten sie sich gerade jetzt geliebt fühlen – auch körperlich.

Kommunikation das A & O nach dem Schlaganfall Meist sind beide Partner mit der neuen Situation überfordert, wissen nicht, wie sie nach dem Schlaganfall miteinander umgehen können. Über Gefühle oder – insbesondere sexuelle – Wünsche zu sprechen, fällt vielen schwer; es findet hierzu bei den wenigsten eine direkte, offene und ehrliche Kommunikation statt. Das Dilemma: die Denkmuster im Kopf. „Die Aussagen Betroffener und deren Partner belegen das“, bestätigt die Ergotherapeutin Spreitzer. „Frauen fühlen sich förmlich als ‚Sexmonster‘, wenn sie Lust auf ihren Partner haben. Sie denken zum Beispiel, der Mann sei durch den Schlaganfall nicht mehr in der Lage, hätte kein Verlangen nach Sex mit ihr oder es ginge ihm einfach zu schlecht, um sie und ihre Bedürfnisse zu befriedigen.“ Dabei wäre alles unkompliziert, wären Paare imstande, auch darüber miteinander zu reden oder den anderen einfach zu fragen. Oft ist es so, dass der Mann trotz oder gerade wegen des Schlaganfalls durchaus gerne Nähe, Zuneigung und Sex hätte. Es aber ebenso wenig ausspricht, wie die Partnerin, weil er sich ‚versehrt‘ oder nicht mehr so attraktiv findet wie vor dem Schlaganfall. Dass Betroffene sich dennoch und grundsätzlich öffnen können, erlebt Lisa Spreitzer in der ergotherapeutischen Praxis. Stellt sie Fragen zu den Gefühlen, bricht es häufig aus ihrem Gegenüber heraus, wenn Liebe, Zärtlichkeiten und Sex zu kurz oder gar nicht mehr in deren Alltag vorkommen.

Die Liebe wieder anbahnen Mit viel Fingerspitzengefühl und eher anleitend als vorschlagend erarbeiten Ergotherapeuten wie Lisa Spreitzer mit ihren Patientinnen und Patienten, welche Möglichkeiten es gibt, um der Liebe, also auch der körperlichen Liebe, wieder den Weg zu ebnen. „Wir erarbeiten das gemeinsam, die Patienten und ich“, erklärt die Ergotherapeutin. Es ist eine typisch ergotherapeutische Herangehensweise, Impulse und Gedankenanstöße zu geben. So entstehen Raum und Gelegenheit, damit die Betroffenen für sich passende eigene Ideen entwickeln können. Darüber hinaus gibt es Aufgaben vom Ergotherapeuten, um das Miteinander wieder anzubahnen. So soll das Paar etwa einen festen, gemeinsamen Abend verabreden, wo es nur um das Paar-Sein geht: Darüber reden, was einen verbindet, was man am anderen mag und schätzt oder auch konstruktiv das anzusprechen, was einem nicht gefällt. Gemeinsam herauszufinden, welche Aktivitäten jetzt noch möglich sind, ist der nächste Schritt und je nach dem, wie schnell das Paar wieder zueinander findet, ist sowieso alles möglich und erlaubt.

Ergotherapeuten arbeiten auf psychischer… Um das auch im Kopf der Patientinnen und Patienten dauerhaft und fest zu verankern, ist es nahezu immer notwendig, zuvor Ängste abzubauen. Ängste sind ein zentrales Thema bei Menschen, die einen Schlaganfall erlitten haben. Eine bei beiden Geschlechtern weit verbreitete Sorge ist, sexuelle Aktivitäten mit dem Partner oder mit sich selbst könnten den Blutdruck und das Herz-Kreislauf-System derart belasten, dass es zu einem erneuten Schlaganfall kommt. Das ist medizinisch nicht begründet und gehört daher zu den zu ersetzenden Denkmustern. Ein weiterer Bestandteil der ergotherapeutischen Arbeit ist die vertiefte Aufklärung zur Erkrankung. So erfahren Betroffene manchmal zu ihrem Erstaunen, dass Liebe und Sex sich sogar positiv auswirken, unter anderem auch deshalb, weil der Körper dabei Glückshormone ausschüttet.

…und auf körperlicher Ebene Wer einen Schlaganfall erlitten hat, wird beim Ergotherapeuten so sehr mit sich, seinem Körper und seinen Empfindungen konfrontiert, wie nie zuvor. Im Laufe der ergotherapeutischen Intervention entsteht ein ganz anderes Körperbewusstsein. Ergotherapeuten verbessern unter anderem die durch den Schlaganfall verursachten Wahrnehmungsstörungen, leiten ihre Patientinnen und Patienten an, wie sie mit Reizen wie Vibration oder Berührung die vom Schlaganfall betroffenen Körperregionen allmählich reaktivieren können. Sie schulen die Wahrnehmung, fragen, wie sich das Empfinden verändert, wenn derjenige liegt, steht oder eine Unterstützungsfläche hat. Sie ermuntern die Betroffenen, zu experimentieren und selbst herauszufinden, was funktioniert. All das hat Auswirkungen auf den gesamten Alltag, sprich auch die ganze Bandbreite von Liebe, Sex und Zärtlichkeit.

Informationsmaterial zu den vielfältigen Themen der Ergotherapie gibt es bei den Ergotherapeuten vor Ort; Ergotherapeuten in Wohnortnähe auf der Homepage des Verbandes unter https://dve.info/service/therapeutensuche

Sport bewegt Menschen mit Demenz

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) will das Sport- und Bewegungsangebot für ältere Menschen mit seinem Projekt "Sport bewegt Menschen mit Demenz" weiter ausbauen. In Kooperation mit der Deutschen Alzheimer Gesellschaft (DAlzG) stellt der DOSB deshalb interessierten Vereinen umfangreiches Informationsmaterial zum Thema Sport und Demenz in einer Materialbox zur Verfügung. Die Box, die als Päckchen daherkommt, bietet Anregungen für die Integration von Menschen mit beginnender Demenz sowohl in bereits bestehende Gruppen im Sport der Älteren als auch für die Einrichtung von speziellen Sportgruppen für Menschen mit Demenz.

Derzeit leben 1,6 Millionen Menschen mit Demenz in Deutschland. Ihre Lebensqualität kann durch gezielte Bewegungs- und Gedächtnisübungen gesteigert und der Krankheitsverlauf positiv beeinflusst werden. Wie Sport konkret dazu beitragen kann, dazu gibt die Broschüre „Sport bewegt Menschen mit Demenz“ wertvolle Informationen und Anregungen. Die Materialbox enthält zudem das Buch „Sport und Bewegung für Menschen mit Demenz“ mit vielfältigen Erfahrungen und Stundenbildern von Birgit Backes, Uschi Wihr und Prof. Matthias Maschke sowie Postkarten mit „Dual-Tasking-Aufgaben“ (gleichzeitig zu erfüllende motorische und mentale Aufgaben) und Materialien für die Übungsstunden.

Zum Ausbau des Bereiches „Sport für Ältere“ wird innerhalb der Nationalen Demenzstrategie das Projekt „Sport bewegt Menschen mit Demenz“ vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert. Monika Kaus, Vorsitzende der DAlzG, begrüßt dieses Projekt sehr: „Wir brauchen solche Initiativen, damit Menschen mit Demenz und ihre Angehörige weiter ihren gewohnten Aktivitäten nachgehen können und damit mehr Lebensqualität gewinnen“.

Vier Teilprojekte, die Landessportbünde Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, der Deutsche Tischtennis-Bund sowie der Deutsche Turner-Bund werden konkrete Maßnahmen erproben mit dem Ziel, Menschen mit Demenz zu bewegen. Aber auch in weiteren Mitgliedsorganisationen gibt es bereits wertvolle Ideen, wie Sport für Menschen mit Demenz umgesetzt werden kann. Andreas Silbersack, Vizepräsident des DOSB, betont: „Der DOSB setzt sich dafür ein, dass immer mehr seiner 90.000 Sportvereine bedarfsgerechte Sport- und Bewegungsangebote für diese Zielgruppe anbieten.“

Ende des Jahres sollen die Ergebnisse in einer Abschlusstagung vorgestellt werden.

Weitere Infos: richtigfitab50.dosb.de/demenz

Die Materialbox wird ab Mitte Februar verschickt und kann kostenfrei bestellt werden unter: info[at]deutsche-alzheimer.de



x