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Gutachten: Häusliche Pflege führt Frauen in die Altersarmut

Die mangelnde finanzielle Anerkennung häuslicher Arbeit erhöht das Altersarmut-Risiko von Frauen. "Frauen, die ihren beruflichen Werdegang zugunsten der Familie zurückstellen, werden gegenüber vollzeitarbeitenden und durchgängig beschäftigten Personen mit einem geringeren Einkommen und einer geringeren Rentenanwartschaft bestraft", heißt es in einem Gutachten, das der Sozialverband Deutschland (SoVD) heute vorgestellt hat.

"Wenn es zu einem Pflegefall in der Familie kommt, dann sind es in 70 Prozent der Fälle Frauen, die sich kümmern und unbezahlte Sorgearbeit leisten. Sie pflegen durchschnittlich 21 Stunden pro Woche unbezahlt", erklärte SoVD-Präsident Adolf Bauer. "Zudem zeigt das Gutachten auf, dass sich viele pflegende Frauen vollständig aus dem Berufsleben zurückziehen", sagte Bauer. Dies habe weitreichende Folgen für das Alterseinkommen. "Aufgrund der unterbrochenen Erwerbsarbeit zahlen sie entweder geringere Beiträge in das Sozialversicherungssystem ein oder sie sind ausschließlich über ihren Partner abgesichert", betonte der Verbandspräsident.

"Für uns gilt: Häusliche Pflege muss endlich besser anerkannt werden. Nötig ist insbesondere eine Aufwertung der unbezahlten Sorgearbeit", forderte Bauer. Konkret müsse dies durch einen finanziellen Ausgleich erfolgen. Zudem gelte es, die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf für Frauen und Männer gleichermaßen zu verbessern.

Das Gutachten kommt weiter zu dem Ergebnis, dass in Deutschland weitaus mehr Menschen pflegebedürftig sind, als die bisher angenommene Zahl von 3,4 Millionen. "Wir müssen von einer Dunkelziffer von rund 5 Millionen ausgehen", sagte Katja Knauthe, Gutachten-Autorin von der Hochschule Zittau/Görlitz.

Das vollständige Gutachten des SoVD finden Sie unter www.sovd.de

Bildunterschrift: Millionen Frauen pflegen hierzulande ihre Angehörigen zu Hause. Sie stemmen täglich eine enorme körperliche und seelische Last. Zudem wird allgemein angenommen, dass den Betroffenen später Altersarmut droht. Aber ist das wirklich so? Und was sind die Gründe dafür? Um diese Fragen wissenschaftlich fundiert zu beantworten, hat der SoVD ein Gutachten in Auftrag gegeben.

Hund schützt Herz

Der Hund ist nicht nur bester Freund des Menschen, er fördert auch in vielerlei Hinsicht dessen Gesundheit. Im besonders riskanten ersten Jahr nach einem Herzinfarkt oder Schlaganfall senkt der Vierbeiner sogar das Sterberisiko seines Besitzers, wie eine schwedische Studie zeigt.
Herz und Kreislauf profitieren

Hundeliebhaber wissen ganz genau, wie gut ihnen ihr Vierbeiner tut. Er fördert die sozialen Kontakte und zwingt seinen Menschen zum Gassigehen und damit zu Bewegung an frischer Luft. Auch Wissenschaftler bestätigen, dass sich Hunde positiv auf die Gesundheit auswirken. Schon vor Jahren fand man heraus, dass Hunde das Herz-Kreislauf-Risiko ihrer Besitzer verringern, z. B. indem sie deren Blutdruck senken.
Hundebesitzer nach Infarkt im Vorteil

Doch Hunde können noch mehr, wie eine aktuelle schwedische Studie an über 335 000 Herzinfarkt- und Schlaganfallpatienten zeigt. Nach Berücksichtigung anderer Einflüsse wie Alter, Geschlecht und weiteren Erkrankungen ermittelten die Forscher, dass Hundehalter im besonders riskanten ersten Jahr nach einem Herzinfarkt ein signifikant niedrigeres Sterberisiko hatten als Nicht-Hundebesitzer. Das gleiche galt für den Schlaganfall, auch hier senkte der Hundebesitz das Risiko, im ersten Jahr nach Schlaganfall zu versterben. Das Zusammenleben mit einem Partner oder einem Kind wirkte ähnlich, aber etwas weniger ausgeprägt.
Herz-Kreislauf-Prävention geht auch ohne Hund …

Hundebesitzer dürfte dieses Ergebnis erfreuen und sie bei ihrer Entscheidung bestärken, auch im höheren Alter mit einer Fellnase zu leben. Ob die gesundheitsfördernde Auswirkung allerdings wirklich auf den Hund und nicht auf andere, in der Studie nicht erfasste Faktoren zurückzuführen ist, bleibt offen. Verordnen lassen sich Hunde und Hundeliebe sowieso nicht. Ein Trost für alle, die kein Haustier haben oder haben möchten: Sollten hinter der tierischen Risikoreduktion vermehrte soziale Kontakte und mehr Bewegung stecken, lässt sich das auch ohne Vierbeiner bewerkstelligen.

Quelle: Ärzteblatt

Mehr Stroke Units mit Sprachtherapeuten in Kliniken minimieren Risiken von Schluckstörungen

Die wichtigste Ursache für eine Schluckstörung ist der Schlaganfall. Laut Angaben der Deutschen Schlaganfallhilfe (zuletzt 2018) erleiden pro Jahr in der Bundesrepublik 270.000 Menschen einen solchen. Circa die Hälfte davon ist in der Akutphase – innerhalb der ersten sechs Wochen nach dem Ereignis – von einer Dysphagie betroffen. Außerdem spielen ernste neuro-degenerative Erkrankungen sowie Tumore eine Rolle.

„Wenn eine Patientin oder ein Patient einen Schlaganfall hat, muss er in Deutschland das Glück haben, in einer Klinik mit einer so genannten Stroke Unit zu landen. Auf dieser akuten Schlaganfallstation muss zwingend eine Sprachtherapeutin oder ein Sprachtherapeut tätig sein, die auch das Vorliegen einer Schluckstörung prüfen“, berichtete Prof. Dr. Christiane Lücking anlässlich ihrer Antrittsvorlesung an der Hochschule Fresenius in Hamburg. „Wir haben diesbezüglich aber einen Versorgungsengpass: Bei weitem nicht alle Krankenhäuser sind mit einer solchen Unit ausgestattet. Insbesondere im ländlichen Raum gibt es diese viel zu selten. Zudem fehlt es häufig an spezialisiertem sprachtherapeutischem Personal.“ Ähnlich sieht es in geriatrischen Abteilungen und Pflegeheimen aus.

Das bedeutet: Ein Schluckscreening wird entweder gar nicht oder wenn doch, dann zu spät durchgeführt. Gerade in der Akutphase können sich Zustände schnell verändern – und das eben auch zum Negativen. Wenn sich die Patientin oder der Patient verschluckt, kann Flüssigkeit oder Nahrung in die Lunge geraten und dort eine Entzündung hervorrufen, die tödlich enden kann.

Außerdem drohen beim Vorliegen einer Schluckstörung Mangel- oder Fehlernährung und Austrocknung. Die Aufenthaltsdauer in der Klinik verlängert sich, eine künstliche Ernährung kann notwendig sein, unter Umständen muss der Arzt operieren. Das bindet personelle und finanzielle Ressourcen und reduziert erheblich die Lebensqualität der Betroffenen.

„Die Sprachtherapeutin oder der Sprachtherapeut auf der Stroke Unit würde direkt ein Screening durchführen und feststellen, ob eine Aspirationsgefahr besteht. Ist die Antwort positiv, ordnet sie oder er sofort eine orale Nahrungskarenz an, auch die Medikation darf keinesfalls über den Mund verabreicht werden“, erläutert Lücking. Schon in diesem frühen Stadium lassen sich zudem Haltungsmanöver in weiterführenden klinischen und bildgebenden Untersuchungen austesten, die das sichere Schlucken möglicherweise erleichtern. Ist es grundsätzlich möglich, kann die Entscheidung fallen, Nahrung und Flüssigkeiten anzupassen. „In dieser Phase lässt sich mit relativ einfachen Mitteln Schlimmeres vermeiden. Man sieht aber auch, was alles passieren kann, wenn die Maßnahmen nicht getroffen werden.“

Für eine Verbesserung des Systems braucht es neben solchen akuten Schlaganfalleinheiten aber auch eine deutlich höhere Anzahl gut ausgebildeter Sprachtherapeuten, was nur dann gelingen wird, wenn die Arbeitsbedingungen und die Bezahlung für sie besser werden. Außerdem sollten nach Meinung von Lücking auch mehr Einrichtungen über eine Videofluoroskopie (röntgenologisches Verfahren zur Schluckaktanalyse) verfügen. Das bildgebende Verfahren kommt im Verlauf der Diagnose nach dem Screening und der weit verbreiteten Klinischen Schluckuntersuchung zum Einsatz. Gegenüber einem anderen bildgebenden Verfahren mit Endoskop hat es den entscheidenden Vorteil, dass der Begutachter den gesamten Schluckablauf beobachten kann. „Voraussetzung für das alles ist die entsprechende Aufklärung in Politik und Gesellschaft, in den Institutionen wie Heim und Klinik und auch bei den Angehörigen. Sie sind oft die Ersten, die feststellen, dass etwas nicht stimmt.“

05.11.2019 DGA | Quelle: Hochschule Fresenius

Pflege-Set

Wer sich darum kümmern muss, dass jemand gepflegt wird, fühlt sich schnell überfordert. Egal ob die Situation plötzlich oder schleichend kam – nun ist sie da. Was ist jetzt am wichtigsten, was kann warten? Die Stiftung Warentest liefert Betroffenen mit einem neuen Pflege-Set eine Anleitung für die ersten Schritte, bevor ausführlich alles abgearbeitet wird, was auch noch zu erledigen ist. Praktische Formulare und Checklisten helfen, zielgerichtet und souverän vorzugehen. Das Pflege-Set ergänzt eine erfolgreiche Ratgeber-Reihe, von der sich zum Beispiel das Vorsorge-Set bereits über 600.000-mal verkauft hat.

„Wir wollen es den Angehörigen leicht machen,“ sagt Autorin Eugénie Zobel, „viele machen so etwas zum ersten Mal, kennen sich also vielleicht nicht aus mit Pflegegrad oder Zuschüssen für Umbauten in der Wohnung, und sie wollen natürlich alles richtig machen und das Beste für ihre Lieben.“ Mit dem entsprechenden Rüstzeug ist die Organisation von guter Pflege gar nicht so schwer. Das neue Pflege-Set hilft, den Pflegegrad zu beantragen und den Gutachtertermin vorzubereiten, es zeigt anschaulich, wie die passende Hilfe organisiert werden kann, und auch, wie man das alles finanziert. Dazu gibt es seitenweise Formulare zum Heraustrennen oder Download: vom Pflegeprotokoll über die Ankündigung von Pflegezeit in der Firma bis zum Antrag auf Pflegegrad und vieles mehr.

Das Pflege-Set hat 144 Seiten und ist ab dem 15. Oktober 2019 für 14,90 Euro im Handel erhältlich oder kann online bestellt werden unter www.test.de/pflegeset.

29.10.2019 DGA | Quelle: Stiftung Warentest



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